Ein Schelm, wer Gutes dabei denkt

Ein Schelm, wer Gutes dabei denkt

Weißer Rauch steigt auf. Habemus Papam! Gott sei Dank, nach siebzehn Wahlgängen endlich Feierabend. Anstrengender als etwas, das sehr, sehr anstrengend ist, so eine Papstwahl. Aber glauben heißt eben auch arbeiten. Ich habe es mir einfach gemacht und stets den gleichen gewählt: Mich. Wenn man es schon schafft, sich als 21-jähriger Atheist in das Konklave zu schmuggeln und unbenommen zu behaupten, man wäre „Kardinal Darkwing Duck aus Paderborn“, dann will man schließlich auch Papst werden. Besser als Kunstwissenschaften studieren wäre das allemal. Wobei die Unterschiede zwischen „Bachelor of Arts“ und dem Papst-Titel marginal sind: Mit beidem wird man später nichts. Haha, ein Studenten-Witz, ich Weltklasse-Humorist. Woop, woop, Comedypreis-Alert!

Aber nur allzu gerne würde ich trotzdem Gottes Stellvertreter auf Erden werden: Für alles hat man Diener, mehr als ein bisschen repräsentieren muss man mehr tun – herrschen im Sinne Gottes, eben. Gott hat schließlich auch nur die Welt erschaffen und sich dann nicht mehr blicken lassen. Nur einmal, da schaffte er es noch in die Schlagzeilen, als er offensichtlich ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen ausübte. Erst der große Wurf, dann nur noch durch Bumsereien auffällig: Gott ist ein bisschen so wie Kinderstars in Hollywood. Wahrscheinlich kokst Gott auch, er sitzt ja immerhin an der Quelle bzw. hat diese erfunden. Doch dann werde ich jäh aus meinen sehr klugen Gedanken gerissen: Ein erstaunlich alter Mann schlurft euphorisch auf mich zu. Hab ich gewonnen? Hab ich gewonnen?

Er spricht Latein mit, ich verstehe nichts. Hysterie verbreitet sich, alles läuft herum und schupst. Verstößt das nicht gegen irgendein Gebot? Religion: Auf alle Fälle vor Ort viel aufregender als im Fernsehen, das Ganze hier. Dort hofft man ja stets vergeblich, dass ein lustiger, blasphemischer Flitzer durch die Szenerie rennt. Apropos Nacktsein bzw. Nichtnacktsein: Man reicht mir einen weißen Umhang und ein bescheuertes Hütchen, die Belegschaft verneigt sich vor mir. Aha, habe wohl gewonnen. Hell yeah! Ich werde zum geheimnisvollen roten Vorhang geführt, olé!, der Weg führt hinaus aus der sixtinischen Kapelle rauf auf einen Balkon mit herrlichem Blick auf den Petersplatz, den ich immerzu Peters Platz nenne, Comedypreis und so, ich erwähnte es bereits. Doch am heutigen Tage versperren hunderttausende Menschen die Sicht: Sie jubeln, krakeelen und üben sich in sinnloser Eskalation, damit man morgen vernünftig krankfeiern kann. Eben noch kannte mich keiner, jetzt habe ich Millionen Fans. Ich hasse sie jetzt schon. Wird eine lustige Amtszeit. Mir wird ein Mikrofon gereicht und ich nutze unter Gottes Gnaden die Chance auf meine ersten Worte als Papst. Untermalt von wichtigen Gesten sage ich:

„Tach.“

Jubel.

„Ich bin Papst Schwanzus Longus, lobet den Herrn!“

Jubel. Recht einfacher Job. Doch ich nehme mir vor, die Verantwortung als Papst ernst zu nehme, um deutlich und unmissverständlich die kleinen und großen Probleme unserer Gesellschaft anzusprechen. Einige kann ich bereits sehen.

„Zunächst möchte ich ein paar heilige Worte an die gottverdammten Idioten richten, die gerade mit ihren verkackten iPhones in meine Richtung zielen. Es ist ja ganz putzig, dass ihr euch über mein Erscheinen freut, aber ihr dusseligen Hobby-Filmer geht mir schon bei Konzerten immer derbe auf die Klötze. Seid ihr zu doof, später die HD-Fernsehaufnahmen zu gucken oder wieso müsst ihr das immer mitfilmen? Steckt euer Telefon in die Tasche und reckt beide Hände zum Himmel, ihr Lemminge Satans!“

Jubel. Die Handys bleiben dennoch oben. Vielleicht das falsche Thema. Ich versuche es mit etwas Anderem.

„Alles klar, Schäfchen, Themawechsel. Einiges wird sich nämlich ändern. Von nun an weht in der katholischen Kirche ein ganz anderer, neuer Wind, passt auf:“

Als Gag puste ich ein bisschen ins Mikrofon. Kommt prima an, denn: Jubel.

„So. Was ich damit sagen will: Flüche, Homosexualität und Kondome sind ab jetzt legal. Denn wie sagte schon, uff, keine Ahnung, irgendeiner in der Bibel: Seid fruchtbar und fickt!“

Schon wieder Jubel. Ich bin ein sehr guter Papst. Abschließend spreche ich alle lateinischen Worte, die ich kenne.

„Salve! Urbi et orbi, summa cum laude! Quo vadis, homo sapiens? Ora et labora, in vino veritas, Asterix et Obelix. Una birra, per favore! Amen.“

Verwirrung. Nehme ich in Kauf, ein guter Vortrag reißt nicht nur mit, er hinterlässt auch Fragezeichen. Ich beende meine erste Predigt dann mit ein paar lockeren Laola-Wellen für Gott, Jesus und den heiligen Geist. Jubel. Geht doch.

Erschöpft tappse ich zurück in die sixtinische Kapelle. Endlich Ruhe. Ein paar Kardinäle schauen misstrauisch in meine Richtung. Ich überlege, sie zu entlassen, doch so etwas tut ein frommer Papst nicht. Also lasse ich sie entlassen. Zu meiner Belustigung spielen dann ein paar Bedienstete die Kreuzigung Jesu nach und ich gönne mir ein paar Gläser Weihwasser mit Whiskey. Ich schweige und genieße scheinheilig. Gut, dass es die katholische Kirche noch gibt. Noch.

Bis morgen, ihr Papst Schwanzus Longus.

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